Polbrillen beim Fliegenfischen

Sonnenschutz
 

„Schau mal die Bachforelle dort! Sie nimmt regelmäßig kleine Aufsteiger im Mittelwasser!“

„Was? Wo? Ich seh nix!“


Zugegeben, ein geschultes Auge und viel Erfahrung sind sicherlich häufig dafür verantwortlich, dass der eine die stetige Nahrungsaufnahme des Fisches in dieser Situation sieht, während der andere vom Fressrausch unter der Wasseroberfläche rein gar nichts mitbekommt. Manchmal liegt es aber auch einfach daran, dass der eine von beiden eine auf die Gewässersituation abgestimmte Polarisationsbrille (kurz: Polbrille) trägt, während der andere seine Augen vielleicht nur mit einer herkömmlichen Sonnenbrille schützt. Dieser Schutz ist zweifelsfrei wichtig. Zum einen natürlich vor Fliegen und Streamern, die von der Flugbahn abgekommen sind. Zum anderen vor UV-Strahlen. Denn der kurzwellige und dadurch deutlich aggressivere UVB-Anteil des Sonnenlichts kann insbesondere am Wasser zu bleibenden Schäden an Horn- und Bindehaut führen. Dies liegt an der sogenannten ‚Streustrahlung‘, also UV-Strahlung, die von der Oberfläche reflektiert wird und eine bis zu 90% stärkere Intensität als direktes Sonnenlicht besitzt.  

Was bedeutet Polarisation?

Polbrillen stehen herkömmlichen Sonnenbrillen in dieser Hinsicht allerdings in nichts nach. Die Modelle bekannter Hersteller sind nach europäischer Norm zertifiziert und dunkeln das Licht nicht bloß ab. Sie heben stattdessen bestimmte Lichtanteile hervor und sorgen für stärkere Kontraste. Aber Polbrillen können noch mehr: Für den Fliegenfischer sind sie von besonderem Interesse, weil ihre speziellen Gläser Lichtreflexe und Spiegelungen - wie sie beispielsweise durch Sonneneinstrahlung auf die Wasseroberfläche entstehen - verhindern bzw. mindern. Nicht nur, dass die Augen deshalb weniger stark strapaziert werden und nicht so schnell ermüden, weil sie sich nicht ständig an neue Lichtverhältnisse anpassen müssen. Nein, vor allem gewähren sie einen ungestörten Blick INS Wasser. Egal ob bei der Fischerei im Fluss, am See oder am Meer: Fische können dank eines Polfilters immer besser gespottet werden! Aber nicht nur bei der Fischerei auf Sicht sind Polbrillen hilfreich. Auch wenn es darum geht Strukturen des Gewässers genauer zu erkennen oder beim Waten sicherzustellen, dass der nächste Schritt nichts ins Leere geht sind polarisierende Sonnenbrillen eine große Hilfe.  

Aber warum eigentlich? Sonnenlicht ist zunächst ‚unpolarisiert‘ d.h. frei und in alle Richtungen schwingend. Treffen die Strahlen jedoch auf eine glatte Oberflächen (z.B. Wasser) werden sie teilweise reflektiert und in eine bestimmte Richtung umgelenkt. Die Blendung durch dieses sogenannte ‚uninformative‘ Licht wird vom Auge als besonders störend empfunden und verhindert gleichzeitig, dass man durch die Wasseroberfläche schauen kann. Der Polfilter im Brillenglas sorgt nun dafür, dass dieses reflektierte Licht nicht durchgelassen wird. Spiegelungen werden also herausgefiltert. Verantwortlich dafür sind winzig kleine Gitterfolien in den Brillengläsern. Der Effekt ist deshalb bei allen Polbrillen gleich, vorhanden oder eben nicht-vorhanden. Unterschiede in der Effektivität der Polarisation gibt es rein physikalisch gesehen nicht. Dennoch gibt es - wie bei herkömmlichen Brillen auch - große Qualitätsunterschiede der Gläser und Gestelle. Die Gitterfolien in hochwertigen Polbrillen sind beispielsweise besser verarbeitet und halten auch auf stark gekrümmten Gläsern zuverlässig. Verzerrungen an den Rändern, die zu Kopfschmerzen führen können treten hier nicht auf. Teurere Gläser sind zudem häufig besonders kratzfest und robust, manchmal auch beschichtet, damit sie innen nicht so schnell beschlagen.

Polarisation
Polarisation
Polarisation


Worauf sollte man beim Kauf achten?

Neben diesen grundsätzlichen Aspekten sollte man beim Kauf einer neuen Polbrille zunächst auf eine bequeme Passform achten und ein Gestell finden, das zur Gesichtsform passt. Wie bei einer normalen Brille auch muss eine Polbrille über viele Stunden auf Nase und Ohren liegen, ohne an den Schläfen zu drücken. Besonders geeignet fürs Fliegenfischen sind gekrümmte Brillengläser und Gestelle mit breiterem Bügel. Dadurch fällt weniger bzw. kein Licht seitlich aufs Innere des Glases, wodurch die Wirkung des Polfilters drastisch gemindert würde. Nach oben sollte hingegen ein wenig Luft sein, damit Nässe ungehindert abdampfen kann und die Gläser nicht beschlagen. Denn es kann ganz schön nervig sein im Sommer ständig die Brille abnehmen zu müssen, nur weil man etwas schwitzt. Gleiches im Winter. Das Ausatmen in den gefütterten Jackenkragen sollte nicht dazu führen, dass man direkt im Nebel tappt!

Hat man ein passendes, luftiges Gestell mit guter seitlicher Abdeckung gefunden stellt sich die wichtige Frage nach der Tönung des Glases. Physikalisch gesehen hat jedes vollwirksame Polarisationsglas eine Grundtönung mit einem 50%igen Grauanteil. Die zusätzliche Tönung hat also keinen Einfluss auf die eigentliche Polarisation. Die Tönung des Glases bestimmt jedoch, wie stark das Sonnenlicht gemindert wird. Deshalb ist es ratsam, die Glasfarbe in Abhängigkeit von Witterung und Gewässertyp zu wählen. Bei schlechten Lichtverhältnissen oder für die Fischerei während des Abendsprungs empfehlen sich an Fließgewässern beispielsweise gelbe Gläser (ca. 25-30% Lichtdurchlässigkeit). Gelbe Gläser unterstützen die Tiefenwahrnehmung und sorgen für besonders scharfe Kontraste. Auch wenn sie nicht am coolsten aussehen mögen, sind gelbe Gläser für viele Fliegenfischer am Fluss daher die allererste Wahl!

Variationen von Kupfer, hellem Braun und Bernstein (Amber) sind richtige Allzwecktönungen (15-20% Lichtdurchlässigkeit) und für unterschiedliche Situationen sinnvoll. Auch bei diesen Tönungen werden aufgrund einer effektiven Filterung des blauen Streulichts Kontraste verstärkt. Grau (10-15% Lichtdurchlässigkeit) hingegen ist lediglich an sehr hellen und sonnigen Tagen, wenn es auf eine Kontrastierung nicht ankommt, geeignet. Anders sieht es wiederum am See oder Meer aus. Weil hier die Reflexionen besonders stark sind, machen graue Gläser viel eher Sinn. Bewährt haben sich bei der Jagd auf Bonefish, Permit und Co. außerdem verspiegelte Gläser, die insgesamt weniger Licht durchlassen. Blau, Gold oder Grün sind gängige Tönungen und bestens geeignet.

Was sind Photochromatische Gläser?

Es kommt also nicht nur darauf an, dass die Brille gut sitzt, sondern auch, dass die Tönung zu den Lichtverhältnissen und zum Gewässertyp passt. Wie toll wären erst Gläser, die immer die richtige Tönung haben? Photochromatische Gläser sind die Antwort auf diesen Wunsch!

Diese speziellen Gläser reagieren auf UV-Strahlung und passen sich durch Änderung ihrer Tönung  automatisch an. Bei zunehmender Bestrahlung mit UV-Licht nehmen sie eine dunklere Tönung an, verringert sich das Licht nimmt die Tönung wieder ab. Verantwortlich für diesen Effekt sind chemische Reaktionen auf der Oberfläche des Glases. Dabei gilt: je wärmer es ist, desto langsamer verläuft die chemische Reaktion. Deshalb dauert es im Sommer etwas länger, bis die Gläser ihre maximale Tönung erreicht haben. Bei starker UV-Strahlung und niedrigen Temperaturen hingegen, läuft die Reaktion deutlich schneller ab. Zum Abdunkeln benötigen die Gläser ca. eine Minute. Das Aufhellen dauert etwa doppelt so lange. Bis zur maximalen Aufhellung kann es schonmal 8-10 Minuten dauern. Bei schlechten Lichtverhältnissen absorbieren photochromatische Gläser dann ca. 65-70% des sichtbaren Lichts. Ist die Umgebung hell, filtert die Tönung bis zu 90%. Die schädlichen UV-Strahlen werden davon unabhängig immer effektiv geblockt.

 

Photochromatische Gläser


Polbrillen für Brillenträger

Mit photochromatischen Gläsern ist man also durchaus flexibel und ersetzt unter Umständen zwei Brillen mit unterschiedlichen Tönungen. Apropos ‚Flexibilität’. Wie sieht es eigentlich mit Brillenträgern aus? Viele Brillenträger empfinden es als äußerst lästig vor dem Fischen auf Kontaktlinsen zu wechseln um anschließend normale Polarisationsbrillen nutzen zu können. Auch getönte Brillen-Clips, die auf den Rahmen der Sehbrille geklemmt und bei Bedarf runter geklappt werden sind schon viele Jahre keine optimale Lösung mehr. Eine Maßanfertigung vom Optiker ist zwar schön, aber unter Umständen auch ganz schön teuer. Außerdem nur so lange brauchbar, bis sich die Stärke der Brillengläser wieder verändert. Eine tolle Alternative sind FitOver Polbrillen (beispielsweise von Cocoon). Diese Aufsatz-Sonnenbrillen mit polarisierenden Gläsern sind in ganz unterschiedlichen Größen und Formen erhältlich und passen somit über jedes herkömmliche Gestell. Sie bieten eine sehr gute seitliche Abdeckung gegen Streustrahlung und sind mit diversen Tönungen (auch in photochromatischen Varianten) kombinierbar. Einmal angeschafft und sorgsam gepflegt sind sie über viele Jahre hinweg tragbar. Pflegen sollte man die Brillen ohnehin, am besten mit etwas lauwarmem Wasser, etwas Seife oder mildem Spülmittel und einem weichen Tuch aus Leinen oder Baumwolle. Das reicht vollkommen um klare Sicht ins Wasser zu haben - und der fressenden Forelle unter der Oberfläche bei der Jagd auf Aufsteiger zuzuschauen.

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